Diesen Sommer präsentiert Studio Naegeli in Gstaad die Ausstellung "Geometrically Quixotic" mit Trix (geb. 1933) und Robert Haussmann (1931-2021), einem der renommiertesten Schweizer Architekten- und Künstlerduos des 20. Jahrhunderts, zu dessen wegweisenden Projekten der Umbau des Zürcher Hauptbahnhofs, die legendäre Kronenhallebar und viele weitere Objekte im In- und Ausland gehören.
Im Zentrum vieler Arbeiten von Trix und Robert Haussmann steht der aleatorische Ansatz - eine Methode, die im lateinischen Alea (Würfel) wurzelt und den Zufall als künstlerisches Mittel nutzt. Inspiriert vom Aleatorismus, von Jean Arps kompositorischen Experimenten bis zu John Cages zufallsbasierten Partituren, integrierten die Haussmanns Spiel und Unvorhersehbarkeit in eine streng architektonische Logik.
Einige ihrer Skizzen und Zeichnungen basierten tatsächlich auf einem Würfelwurf: Die Zahl, die sich ergab, bestimmte die Form, die Farbe oder den Rhythmus der Komposition. Aber es ist eine Wahl innerhalb eines sorgfältig konstruierten Systems, ein Akt welcher Spontaneität in einen Dialog mit konzeptioneller Präzision und Perfektionismus bringt. Der Würfel wird sowohl zu einem Archetyp der Ordnung als auch zu einem Manifest der Unvorhersehbarkeit - eine einfache geometrische Figur, aus der sich Labyrinthe der Bedeutung ergeben.
Ein spielerischer Ansatz spiegelt sich auch in ihrem Konzept des Manierismo Critico (1981) wider, das auf materiellen Verzerrungen, Massstabsverschiebungen und visuellen Paradoxien beruht. Sie verwenden Trompe l'oeil, Kunstmarmor, illusorische Vorhänge, Spiegel und Täuschungen, um die Realität zu brechen, zu vergrössern und zu transformieren. In Werken wie den "Lehrstücken", von denen eines in der Ausstellung zu sehen ist, wird eine Säule zu einem System von Schubladen, das die übliche Logik von Form und Funktion unterläuft. Diese Idee der "Störung der Form durch die Funktion" ermöglicht es ihnen, eine poetische Unsicherheit in den streng strukturierten Raum einzubringen.
Die Ausstellung umfasst auch bisher nicht gezeigte Archivobjekte, Originalzeichnungen und Skizzen sowie konzeptionelle Schlüsselwerke wie "Die Urkisten nach dem Sündenfall" und "Log-O-Rithmic Slide Rule" - ein Begriffschieber, mit dem die Haussmanns in einen Dialog mit der Sprache als Werkzeug treten. Anstelle von Zahlenzeichen finden sich auf dem Lineal Adjektive aus dem Architekturdiskurs; durch Verschieben des Lineals wird der Betrachter eingeladen, teils widersprüchliche, teils absurde Wortkombinationen zu erleben. Der Titel der Ausstellung "Geometrically Quixotic" ist übrigens auf die gleiche Weise entstanden.
Diese Ausstellung ist eine Einladung in das lebendige und interaktive Universum von Trix und Robert Haussmann, wo Form und ihre manchmal verzerrte Reflexion, Struktur und Zufall, Paradox und Präzision in einem Raum koexistieren.